exportiertes Scrapbook

Das Ende von Scrapbook oder wie kann ich mein Web-Archiv weiter nutzen

Ein Klick auf das Icon und zack war eine ganze Website gespeichert. Samt Ursprungs-URL und Speicherdatum. Auch ganz Websites ließen sich mit der Firefox-Erweiterung Scrapbook zum Offline-Lesen herunterladen. Alles fein säuberlich in der Seitenleiste in Ordner sortiert und durchsuchbar. Mit Firefox Quantum hat das ein Ende: Das XUL-Addon wird voraussichtlich nicht neu geschrieben und so wie es ist, funktioniert es nicht mehr. Da ich ein großer Fan von Scrapbook bin, habe ich über Jahre Websites darin archiviert – privat und beruflich. Die gesammelten Daten sind allerdings noch nicht verloren und lassen sich für spätere Verwendung ohne Scrapbook archivieren.

Wurde das Update auf Firefox Quantum noch nicht eingespielt, war der Rechner in letzter Zeit hoffentlich ohne Internetzugang. Allerdings hat das den Vorteil, dass sich die Scrapbook-Daten wie im Folgenden beschrieben direkt exportieren lassen. Das funktioniert prinzipiell auch unter Windows, die hier genannten Verzeichnisse beziehen sich allerdings auf ein Linux-System.

Ist Firefox auf dem aktuellen Stand, wurde das Scrapbook-Addon automatisch deaktiviert und die Daten stehen nur noch im Scrapbook-Ordner als einzelne Dateien zur Verfügung. Mit einem vorübergehenden Wechsel auf Firefox ESR, Seamonkey oder Palemoon lässt sich Scrapbook nochmal einrichten und die Daten in ein passendes Format exportieren. Das sollte man bald machen, denn damit dürfte Schluss sein, sobald die genannten Browser auf die Code-Basis von Firefox Quantum wechseln.

Bevor man eine andere Firefox-Version aufruft, ist ein Backup des Ordners ~/.mozilla ratsam. Das Verzeichnis, das die Scrapbook-Daten enthält, sollte man aus dem .mozilla-Ordner besser ins Home-Verzeichnis verschieben, damit es nicht irgendwann versehentlich wegkommt.

Firefox ESR installieren

Nur wenige Distributionen bringen Firefox ESR in den Repositories mit, daher muss man das Paket herunterladen und entpacken. Firefox ESR startet man dann mit dem Parameter `-ProfileManager`. Liegt das Programm beispielsweise in ~/bin/FirefoxESR lautet der Aufruf:

~/bin/FirefoxESR/firefox -ProfileManager

Im Dialogfenster des Profilmanagers entfernt man dann das Häkchen, legt ein neues Profil für Firefox ESR an und startet ihn damit.
In Firefox ESR muss man nun zunächst wie gewohnt die Erweiterung Scrapbook aus dem Mozilla-Extensions-Verzeichnis installieren. Anschließend öffnet man die Scrapbook-Seitenleiste mit Alt+K oder über den Menüpunkt „ScrapBook / ScrapBook-Sidebar öffnen“.

Scrapbook-Daten exportieren

Export

Im Scrapbook-Menü in der Seitenleiste startet man den Export.

In der Scrapbook-Erweiterung von FirefoxESR öffnet man nun über die Seitenleiste „Extras, Einstellungen“ und setzt das Häkchen bei „Multi-Scrapbook aktivieren“.  Nach dem „Schließen“ kann man über das weiß-blaue Icon links neben „Extras“ den Menüpunkt „Verwalten“ aufrufen. Hier richtet man über „Hinzufügen“ den Pfad (oder bei mehreren die Pfade) zu den alten Scrapbook-Inhalten ein.  Tauchen die alten Scrapbook-Inhalte wie gewohnt in der Seitenleiste auf, geht’s an den Export.

Im Scrapbook-Menü wählt man nun unter „Extras“ den Punkt „Ordnerliste als HTML exportieren“ und setzt das Häkchen bei „Ausgabe als HTML mit Frame (als Sidebar)“. Scrapbook legt daraufhin im Scrapbook-Verzeichnis einen Unterordner „tree“ und darin eine HTML-Datei frame.html an. Diese Seite lässt sich einfach im Browser (egal in welchem) öffnen. Der Frame bildet die bisherige Ordnerstruktur nach und öffnet die gewünschten Ordner und Web-Seiten per Klick. Ist beim Export die Option „HTML-Ausgabe im Browser öffnen“ angehakt, öffnet sich die Website gleich im Browser.

Im Export-Dialog lassen sich alle Ordner oder nur einzeln ausgewählte exportieren.

Hat man auch früher über die Funktion „Multi-Scrapbook“ Website in verschiedenen Scrapbooks abgelegt, muss man den Vorgang für jedes Scrapbook einzeln wiederholen.

So sieht der Ordner mit der exportierten Website aus. Die Datei frame.html enthält die Seitenleiste und baut damit die alte Ordnerstruktur nach.

Nicht ganz ohne Verluste

Diese Lösung macht zwar das bisher archivierte Scrapbook weiterhin zugänglich; neue Seiten speichern lassen sich nun aber nicht mehr. Auch gehen Informationen wie die Ursprungs-URL und das Speicherdatum verloren. Zwar ist bereits die ein oder andere Extension zum Speichern von Websites in Arbeit, ein vollwertiger Ersatz für Scrapbook scheint aber noch nicht dabei. Und auch noch keine, die alte Scrapbook-Dateien einliest. Über einen Tipp in den Kommentaren würde ich mich freuen.

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